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Agnes Theresia Schwemer erzählt von Ihrer Berufung als Doula

Agnes Theresia Schwemer ist 2014 Schritt für Schritt ihrer inneren Stimme gefolgt. Das Ergebnis: Sie hat ihren Job gekündigt, um ein Jahr zu Reisen, genauer gesagt von Kanada bis Panama. Auf ihrer Reise ging sie durch eine lebensverändernde Transformation. Und schließlich kam die Offenbarung, sich einer ganz neuen Lebensaufgabe zu widmen. Im Interview erzählt Agnes Theresia Schwemer uns von ihrer neuen Aufgabe als Doula.

Wie sind Sie zu Ihrer Berufung gekommen?

Man kann ganz klar sagen – die Berufung hat mich gefunden. Ich habe viele Jahre in der Modebranche gearbeitet und war mit 50Std/Wochen im Hamsterrad gefangen, ohne wirklich zu merken was mit mir geschieht. Ich habe funktioniert, mich sehr über das „außen“ definiert und war mir selbst als Frau sehr fremd. Gemerkt habe ich das natürlich nicht. 2014 kam dann der Cut. Ich begann eine Yogalehrerausbildung und Schritt für Schritt schlich sich die Veränderung ein bis ich an den Punkt kam, wo ich merkte, so geht es nicht weiter. Daraufhin habe ich meinen Job gekündigt und bin ein Jahr auf reisen gegangen – Kanada bis Panama. Viele Eindrücke, Erfahrungen, Begegnungen, aber vor allem wurde es immer mehr eine Reise ins innere. Zu mir. Ich wurde mit Themen konfrontiert, die ich lange verdrängt hatte. Weiblichkeit, Frau sein, eigene Schwangerschaft, Abbruch, Fehlgeburt. Auf dieser Reise wurde eine Tür geöffnet und ordentlich durchgewirbelt, auf allen Ebenen.

In Mexiko und Guatemala fand sie mich dann, meine Berufung. Ich hörte vom Beruf der Doula, durfte dort in das unendliche, weite Feld des „Frau sein“ eintauchen und begann mich selbst ganz neu kennen zu lernen, oder vielleicht auch: ich begann mich zu erinnern. Doula bedeutet übersetzt „Der Frau Dienende“ und während diese Begleitung von Frauen in anderen Teilen der Welt fester Bestandteil der Geburtskultur ist, ist sie in Deutschland doch noch weitestgehend unbekannt und wir Frauen sehr auf das „alleine sein“ getrimmt.

Was macht der Beruf einer Doula genau aus?

Als Doula begleite ich Frauen auf emotionaler, psychischer und spiritueller Ebene durch Schwangerschaft und Geburt. Ich zeige Optionen und Möglichkeiten auf, schaffe einen sicheren Raum, in dem sich die Frau selbst erfahren und erkennen kann. In dem sie gesehen, gehalten und gehört wird. Recht schnell durfte ich für mich erfahren, dass für mich dazu ebenfalls die Felder Trauer und Trauma gehören, Anfang und Ende und alle farbenreichen Facetten dazwischen. Full Spectrum also. Geburt und Tod sind die natürlichsten Dinge am Mensch sein, beides ist in sich so pur und rein und doch liegt nach wie vor größtenteils ein Mantel des Schweigens darüber. Wir sind oft überfordert und wissen nicht recht wie wir damit umgehen soll, wodurch Geburt und Tod eher am Rande der Gesellschaft stehen, statt mittendrin.

Ebenfalls begleite ich durch die unterschiedlichsten Übergangsriten des Frau sein. Für Köper, Geist, Herz und Seele.

Blessingway @agnestheresiaschwemer
Was bedeutet für Sie die weibliche Urkraft?

Gute Frage – wann leben wir unsere Weiblichkeit? Ich finde zu jedem Zeitpunkt, nur vielleicht unbewusst. Ich finde es geht nicht darum etwas von außen hinzu zu fügen, dann gerät man oftmals wieder in ein Denken des Mangel a lá „…wenn ich erst, dann…“ sondern ein Erinnern. Eben daran, dass Du all das in Dir trägst. Die Urkraft, das Urvertrauen, die Weiblichkeit.

Eine Frau in ihrer Kraft weiß wer sie ist. Sie weiß, was sie will und sie hat keine Angst davor sich sehen zu lassen. Ich empfinde die weibliche Qualität als ein tiefes Wissen, ein tiefes in mir Ruhen. Verbunden mit meiner Intuition, meiner Gebärmutter, dem Flüstern all der Frauen die vor mir kamen lauschend. Mutiges Herz, klarer Blick, fest verwurzelt in mir und Mama Erde.

Was hindert uns meistens daran, dass wir unsere Weiblichkeit nicht leben können?

Wir stecken fest in einer Gesellschaft, die nach wir vor Angst vor starken Frauen hat. Wenn Frauen wissen was sie wollen und das auch einfordern, wenn Frauen Männer nicht mehr „brauchen“, sondern sich bewusst dafür entscheiden einen Mann neben sich, auf Augenhöhe, zu haben – begegnet mir immer wieder die Frage:

Wer bin ich als Mann wenn die Frau mich nicht braucht?

Wir sind also darauf getrimmt uns klein zu halten. Bloß nicht zu viel zu sein. Uns in Schubladen stecken zu lassen, weil das ja irgendwie leichter ist. Label drauf und fertig. Was aber wenn wir bemerken, dass wir mehr sind als das? Die Zeit des Schubladen denken ist vorbei, auch hier gilt – Hingabe in das Ungewisse. Was passiert wenn ich mir erlaube mehr als das vermeintlich offensichtliche zu sein?

Goddess Retreat Ägina 2017 @anjuna saran

 

Hier geht es zu Agnes Ihrer Webseite und alle Informationen zu Ihrer Arbeit: www.agnestheresiaschwemer.com

 

Nicole Schneider ist erfolgreiche Stylistin und arbeitete bereits für große Magazine wie Grazia, L‘Officiel international und Cosmopolitan. 2017 ist sie ihrer Leidenschaft gefolgt und hat gemeinsam mit Christine Korte LESSaFAIR gegründet. Neben ihrem Job stehen für die  Mama von zwei Kindern ihre beiden Töchter im Fokus. Außerdem ist Nicole eine echte Yoga-Liebhaberin, nichts erdet sie so wie eine Stunde auf der Matte.