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Alexa von Heyden hat sich jetzt ihren Traum vom Landleben erfüllt

Ich weiß noch, wie ich letztes Jahr in einem Café im Prenzlauer Berg, meiner damaligen Hood, rumgejammert habe: „Ich werde nie einen Vorgarten haben, schnief.“

Als freiberufliche Journalistin war ich mir meiner dürftigen Altersvorsorge bewusst und darauf gefasst, noch im Alter von 90 in einer 3-Zimmer-Wohnung zu hocken. Eine Immobilie zu besitzen war für mich angesichts der Berliner Wohnungspreise nicht mal im Ansatz denkbar.

„Ich selbst bin quasi barfuß an einem Waldesrand aufgewachsen, mit Buden bauen, Banden gründen und durch Froschlaich tauchen inklusive  – so eine wilde Kindheit wollte ich meiner Tochter auch ermöglichen.“

Jetzt sitze ich in einem Haus auf einem über 1.000 qm großen Grundstück, beobachte durch das Küchenfenster einen Schwarm Wildgänse, der gerade auf dem See vor unserer Tür eine kurze Rast macht, und überlege, ob ich Malven oder Stockrosen für das Frühjahr sähe. Derweil esse ich Quark mit selbstgemachtem Apfelmus, wobei die Äpfel aus unserem Garten stammen.

Seit nun sechs Monaten leben wir unseren Traum vom Landleben in der Villa Peng. Durch Zufall fanden wir das Gründerzeithaus am Wusterwitzer See und konnten nach langen Verhandlungen mit den Vorbesitzern den Kaufvertrag unterschreiben.

Dabei hatten wir anfangs nur eine kleine Bleibe für das Wochenende gesucht. Aber als mein Mann das Haus sah, ließ er nicht mehr locker. Denn solche Grundstücke direkt am See werden nie verkauft, sondern nur vererbt. Und das Haus hatte Potenzial, auch wenn seit DDR-Zeiten hier nicht mehr renoviert wurde und eine Fledermaus im Bad wohnte.

 

Die Villa Peng

Jedes Wochenende verbrachten wir fortan auf der Baustelle, rissen Wände ein und vergilbte Tapeten von den Wänden, legten neue Stromkabel und renovierten die Dusche. Stück für Stück weckten wir das Haus aus seinem Dornröschenschlaf auf und machten es zu unserem Zuhause.

Unser altes Leben in Berlin wurde plötzlich immer unwichtiger. Wir wollten raus. Ganz raus. Zu der gleichen Zeit sind wir Eltern eines kleinen Mädchens geworden. Mein Kind sollte nicht denken, dass der zugemüllte Friedrichshainer Park ein Stück Natur ist. Ich selbst bin quasi barfuß an einem Waldesrand aufgewachsen, mit Buden bauen, Banden gründen und durch Froschlaich tauchen inklusive  – so eine wilde Kindheit wollte ich meiner Tochter auch ermöglichen.

Wir kündigten also unsere Wohnung in Berlin und zogen aufs Land. Zum Abschied schenkten mir viele Freunde Juli Zehs Gesellschaftsroman „Unterleuten“. Viele ließen uns spüren, dass sie nicht viel unseren Pläne hielten. Und überhaupt: Wer will denn schon in so ein Kaff nach Brandenburg? Da wohnen doch nur Nazis!

Fazit: Bislang habe ich keinen einzige Glatze getroffen. Ich bin in diesem kleinen Dorf freier als in der Großstadt. Alles, was mich in der Stadt traurig gemacht oder gestresst hat, existiert hier nicht. Die Kita bot uns sofort einen Platz an. Drei Nachmittage in der Woche kümmern sich die Großeltern um die Kleine, am Wochenende schläft sie sogar manchmal dort. Wir leben mit den Jahreszeiten, tauschen uns mit den älteren Nachbarn über Hühnerhaltung und Gemüseanbau aus und essen die meiste Zeit unter freiem Himmel.

Glücklich auf dem Lande: Alexa von Heyden und ihre kleine Familie

Die Themen, die uns jetzt beschäftigen sind: Wo liegen noch reife Äpfel und Birnen rum, wann darf man Gartenabfälle verbrennen, wann werden die Boote zum Überwintern reingeholt und wer hilft beim Bäume fällen?

Im Sommer haben wir Kirschen geerntet, Marmelade gekocht und jeden Tag im See gebadet. Meine Tochter strahlt, wenn sie morgens in ihrem Bettchen wach wird und aus dem Fenster schaut. Dann geht die Sonne über dem See auf, die Fischlein springen über das Wasser und die Gänse drehen ihre ersten Runden über unserem Haus. In solchen Momenten wissen wir, dass wir alles richtig gemacht haben. Ich muss nie wieder Miete zahlen und werde in der Villa Peng alt. Ein schönes Gefühl von Sicherheit.

Wenn Sie mehr über Alexa von Heydens Leben auf dem Land erfahren möchten, gehen Sie auf ihren Blog alexapeng.de und auf @villapeng.

Alexa von Heyden ermöglicht ihrer Tochter eine Kindheit wie auf Bullerbü

Fotos

Sandra Semburg, sandrasemburg.com