Type and press Enter.

In-Vitro: So erlebte Alexa von Heyden ihre Kinderwunschbehandlunge

„Sie können auf natürliche Weise keine Kinder bekommen.“ Der Satz traf mich wie ein Faustschlag ins Gesicht. Ich fing sofort an zu heulen. Zusammen mit meinem Freund saß ich in einem sterilen Arztzimmer, vor uns eine Gynäkologin, die uns durch die Blume mitteilte, dass wir so lange wie wir wollen miteinander vögeln könnten, dabei aber niemals ein Baby herauskommen würde. Genau das wünschten wir uns: ein gemeinsames Kind.

Ich versank in einer Mischung aus Selbstmitleid und Hass auf alle anderen Paare, die einfach so Kinder bekommen konnten. Bei meinen Terminen in der Kinderwunschklinik versteckte ich mich hinter einer Zeitung, weil ich mich schämte.

Ich war geschieden von meinem ersten Mann, Mitte 30 und hatte einen neuen Partner an meiner Seite, mit dem alles gut werden sollte. In meinem hedonistischen Vorleben machte ich den Fehler zu glauben, dass ich mir mit dem Kinderkriegen noch Zeit lassen könnte. Die Karriere war mir immer wichtiger. Und da saß ich nun: geschieden und nicht in der Lage ein Kind zu bekommen. Wir entschieden uns für eine In-vitro-Fertilisation. Ich versank in einer Mischung aus Selbstmitleid und Hass auf alle anderen Paare, die einfach so Kinder bekommen konnten. Bei meinen Terminen in der Kinderwunschklinik versteckte ich mich hinter einer Zeitung, weil ich mich schämte. Bis ich irgendwann feststellte, wie viele Paare von dem gleichen Schicksal betroffen sind. Zu 40 % liegt die Ursache für die ungewollte Kinderlosigkeit bei der Frau, zu 40 % bei dem Mann. Die restlichen 20 % sind unklar.

Über einen großen Bildschirm konnte ich mitverfolgen, wie mir die Eizellen in einer Pipette in die Gebärmutter geschoben wurden. Es war ein bisschen wie früher im Bio-Unterricht.

Die ersten drei Versuche bei uns gingen in die Hose: Mein Körper widersetze sich der „Downphase“, in der der Eisprung unterdrückt wird, um die Eizellenproduktion zu maximieren. Manche Frauen kommen während einer KiWu-Behandlung auf 25 Eizellen. Ich nur auf zwei. Eine Punktion, also die Eizellen-Entnahme unter Vollnarkose, lohnte sich nicht. Ich fühlte mich als Versagerin und wechselte entnervt den Arzt. Die neue Ärztin verkürzte die Dauer der Stimulationsphase, was den Durchbruch brachte. Ich hatte immerhin acht Eizellen. Fünf davon ließen sich befruchten. Zwei entwickelten sich weiter, die mir ein paar Tage später eingesetzt wurden. Ich lag mit gespreizten Beinen auf einem Stuhl, vor mir standen mein Freund, die Ärztin und der Humanbiologe, der unsere Kinder im Reagenzglas gemacht hatte. Über einen großen Bildschirm konnte ich mitverfolgen, wie mir die Eizellen in einer Pipette in die Gebärmutter geschoben wurden. Es war ein bisschen wie früher im Bio-Unterricht.

Zwei Wochen später bekam ich die Nachricht, dass ich schwanger sei. Ich konnte es nicht glauben. Auf dem Ultraschallbild sah man, dass sich beide Eizellen eingenistet hatten. Es waren also Zwillinge. Wir flippten total aus und überlegten, wo wir die Kinderbettchen hinstellen würden. In der 8. Woche setzen nachts Blutungen ein. Ich hatte eine Fehlgeburt. Das Herz des einen Embryos hörte auf zu schlagen, was bei Zwillingsschwangerschaften wohl öfter passiert. Der andere entwickelte sich von Woche zu Woche weiter und war kerngesund.

Im Mai 2017 kam unser Wunschkind per Kaiserschnitt auf die Welt. Für uns Eltern war es ein unbeschreiblicher Glücksmoment und für mich als Frau das Ende von insgesamt zwei Jahren Hormonbehandlung und neun Monaten Angst um das ungeborene Leben in mir.

Ich kann nicht sagen, wie viele Leute mir in dieser Zeit auf und in die Muschi geschaut haben, aber ich weiß: Es war nervenaufreibend, anstrengend und teuer. Aber wenn ich meine Tochter heute spielen sehe würde ich diesen Weg immer wieder gehen. Nur ein bisschen früher.

Mehr über Alexa von Heydens Leben erfahren Sie über: Facebook, Instagram und auf ihrem Blog alexapeng.de

Aufmacher

Fotografin: Sandra Semburg