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Die wahre Geschichte des afrikanischen Wax Prints

Knallige Farben. Wunderschöne und oft sehr humorvolle Muster – Hühner, Schmetterlinge, Fernseh-Sets und Flugzeuge – gezeichnet mit pechschwarzer Linie. Wax Print Materialien sind aus robuster Baumwolle, die zu Anzügen und figurbetonten Kleidern geschneidert werden. Bunte und fantastische Erzählungen transportiert der Wax Print mit klassischen Kleidungstücken. Und macht daraus Geschichten zum Anziehen.

Sie sind bestimmt schon mal in ihrem Leben auf Wax Materialien gestoßen, ohne überhaupt ihren Namen zu kennen. Sie haben es wahrscheinlich bereits an Männern und Frauen afrikanischer Herkunft oder mit anderen Wurzeln beobachtet. Vom gutgekleideten Gentlemen in ihrer Tram bis hin zur preisgekrönten Autorin und Dior-Muse Chimamanda Ngozi Adichie (berühmt etwa für ihr Essay „We Should All Be Feminists” und andere Bücher). Oh und Beyoncé hat es auch schon getragen.

      

Tierprint bunte Gazellen, © HUADU POSMI

Oder haben Sie es doch zum ersten Mal auf den Laufstegen der Modewochen entdeckt etwa bei Burberry Prorsum, Stella McCartney und Viktor & Rolf. Vielleicht aber auch bei der ersten Handtaschen-Kollektion von Christian Louboutin.

Uhren als Zeichen technischen Fortschritts, © Vlisco Group

Dann könnten Sie wiederum einen ersten Blick auf das Material in irgendeinem Museum oder einer Galerie in Berlin, London, Hong Kong oder New York geworfen haben. Nicht zuletzt nimmt das Material seit 1994 eine zentrale Rolle in der Arbeit des gefeierten Britisch-Nigerianischen Künstlers Yinka Shonibare ein.

„Ob es nun als Ankara, Wax Hollandaise oder ethnisches Muster bekannt ist, das Material ist mittlerweile ein wichtiges Symbol für afrikanische Identität und Stil.“

Hinter dem auffälligen Material verbirgt sich allerdings eine komplexere Geschichte, als ein erster Blick vermuten lässt. Es hat seine Ursprünge in Indonesien mit niederländischen Wurzeln und wird oft mit dem Namen der türkischen Stadt in Verbunding gebracht, in der es einst hergestellt wurde. Ob es nun als Ankara, Wax Hollandaise oder ethnisches Muster bekannt ist, das Material ist mittlerweile ein wichtiges Symbol für afrikanische Identität und Stil. Außerdem ist es zum begehrenswerten Stoff für die High Fashion ebenso wie die High Street avanciert. So haben etwa Eastpak, Adidas und Woolrich damit ihre Produkte hervorgehoben.

Michelle Obamas Handtasche, © Vlisco Group

Moderne Ventilatoren, © Vlisco Group

Die Geschichte des fröhlichen und bunten Materials begann mit Kolonialismus, Technologie und einer Kopie. Im frühen 19. Jahrhundert befanden sich England und die Niederlande in einem erbitterten Handels-Krieg um den Markt für gemusterte Baumwoll-Materialien, die damals durch neue Handwerks-Technologien hergestellt werden konnten. 1852 war der niederländische Textilhersteller Pieter Fentener van Vlissingen von seinem Onkel davon überzeugt worden, traditionelle handgemachte indonesische Materialien mit dem Namen Batik zu kopieren, indem er Materialien mit Mustern aus Wachs herstellte und diese über Wochen lang trockenen ließ. Die Maschinenversion war viel schneller, hinterließ aber überall da Spuren, wo die Farbe mit dem Wachs zerfloss.

Berühmte Persönlichkeiten: Queen Elizabeth II, © Vlisco Group

Das sogenannte Fast-Batik des Unternehmens Vlisco wurde auf Grund seiner Fehlerhaftigkeit von den anspruchsvollen Kunden in Java abgelehnt. Aber seine Designs fanden Anklang in Ghana, wo sie durch afrikanische Soldaten hingelangten, die in Indonesien unter den Niederländern kämpften. Die Liebe zu dem lebendigen Material verbreitete sich auf die Elfenbeinküste, Nigeria, Togo, Benin, Ghana, und die Demokratische Republik Kongo, man schnappte sich das expressive Material und transformierte es in Festtags-Kleidung. Im Jahre 1930 war das Vlisco Material ein Top-Seller in Afrika, gefolgt von der britischen Konkurrenz ABC. Trotzdem war der Handel mit Wax Prints auf Grund seiner Herstellungskosten und seiner Einführungspolitik sehr kompliziert.

Nachdem West Afrika 1960 seine Unabhängigkeit erlangte, begann Vlisco in Ghana zu produzieren; durch eine Initiative, die dem Land helfen sollte, produktiv zu werden statt nur passiv zu konsumieren. Weitere Wax Print Fabriken entstanden daraufhin an der Elfenbeinküste, in Nigeria, im Senegal und der Demokratische Republik Kongo. Jetzt konnten die Einheimischen das Material, mit dem sie sich so gerne kleideten,endlich selber machen.
Vliscos doppellagiges Material ist heute ein Luxus-Produkt und muss mit Nachahmern konkurrieren – man könnte auch von stofflichem Karma sprechen. Günstigere einlagige Materialien aus China haben mittlerweile den Markt überschwemmt und sind aber – wenn auch erschwinglicher – längst nicht so hochwertig wie das Original von Vlisco.

,,Violent Eyes. The mouth says nothing”, © Vlisco Group

Klassische Muster, die ihre Inspiration in der Natur finden, sind immer noch beliebt, neue Muster integrieren aber jetzt die jüngsten Technologien in Form von Smartphone- und Laptop-Prints. Außerdem findet sich auf ihnen die Liebe und der Stolz zu wichtigen kulturellen Persönlichkeiten wieder wie etwa die Muster unter dem Namen „Kofi Annans Gehirn” oder „Michelle Obamas Handtasche”.

Jedes Muster funktiniert nach einem Code, der entschlüsselt werden kann; aber der Träger lässt auch immer seine eigene Persönlichkeit mit einfließen und wird so Teil der Geschichte und der Zukunft des wundervollen Materials.

Wenn Sie mehr über das Muster erfahren möchten, ein neuer Bildband von Anne Grosfilleys „African Wax Print Textiles” (Prestel, 2018) erzählt die Geschichte des Materials jetzt in farbgewaltigen Bildern. Eine Liebeserklätung an dieses prachtvolle und wirklich globale Material. Erhältlich unter: prestelpublishing.randomhouse.de

Read here the original version in English:

Wax Works – Unravelling the complex story of African Wax Fabric

Vivid colors. Beautiful and sometimes humorous shapes — chickens, butterflies, television sets, airplanes — outlined in stark black lines. Sturdy cotton that can be tailored into suits or coaxed into figure-hugging dresses. The most standard of garments is transformed into a richly-hued narrative. A story you can wear. 

You’ve probably seen African Wax Fabric, even if you didn’t know what it was called. You may have noticed it on men and women of African or other heritage anywhere in the world, from a nattily-dressed gentleman on your local tram to award-winning author and Dior-inspiration Chimamanda Ngozi Adichie (famous for the essay“We Should All Be Feminists” as well as her other books). Oh, and Beyoncé has worn it, too.   

Or, maybe you noticed it on the runways at Fashion Week somewhere, in shows from Burberry Prorsum, Stella McCartney, or Viktor & Rolf. Perhaps even in Christian Louboutin’s debut handbag collection. 

Then again, you might have glimpsed it in a museum or gallery in Berlin, London, Hong Kong or New York. After all, the fabric has had a starring role in the work of acclaimed British-Nigerian artist Yinka Shonibare since 1994.

This eye-catching textile, however, has a more complex backstory than can be seen at first glance. It was born in Indonesia of Dutch parentage, and is often referred to by the name of a city in Turkey where it was once manufactured. Whether known as Ankara, Wax Hollandaise, or “ethnic prints,” this material has become both an important symbol of African identity and style, and a covetable, joyful fabric that has been incorporated into high fashion as well as mass-produced branded goods, be it from Eastpak, Adidas, or Woolrich. 

The origin story begins with colonialism, technology, and a knock-off. In the early 19th century, England and the Netherlands were in a fierce trade war to dominate the market for printed cotton fabrics, which became readily available following numerous technological innovations in manufacturing at that time. In 1852, Dutch textile manufacturer Pieter Fentener van Vlissingen was convinced by his uncle to copy a traditional handcrafted Indonesian fabric called Batik, in which a pattern was made with wax and dye over weeks or months. The machine version was much quicker, but left markings where the dye bled into the wax. 

This block-printed ‘Fast-Batik’ from the company now known as Vlisco was rejected for those imperfections by discerning customers in Java. But Vlisco’s designs found success in what’s now Ghana, where they became beloved after being brought home by African soldiers who had been fighting on behalf of the Dutch in Indonesia. Love for the vivid style spread, garnering fans in Ivory Coast, Nigeria, Togo, Benin, Ghana, and the Democratic Republic of Congo, who snapped up the expressive textile and transformed it into sartorial splendor.  By 1930, Vlisco fabric was a top-seller in Africa, with competition coming from English wax printers ABC. Yet the rise of wax print fabric was complicated by the expense and politics of this imported good.

Following West African independence in the 1960’s, Vlisco began producing in Ghana, through an initiative that helped spur manufacturing in the country, rather than passive consumption. Other wax print factories opened in Ivory Coast, Nigeria, Senegal, and DRC. Local people could now make the fabric they loved to wear. 

Vlisco’s premium double-sided fabric is a luxury good — and in a kind of textile karma — now has its own knock-offs to contend with. Cheaper single-sided Vlisco copies from China have flooded the market, but these poor prints are considered inferior, if more affordable. 

Classic prints focused on natural forms are still popular, but new prints often embrace the latest technology, from mobile phones to buzzing laptops.  And, they also share the love and pride for important cultural figures; see for instance, the patterns called “Kofi Annan’s Brains” and “Michelle Obama’s Bag.”

Each intricate pattern can be decoded; but the wearer adds his or her own signature to the history and future of this great fabric. If you’d like to read more about this topic, see a treasure trove of color-saturated photos, and learn about talented African designers, you can find it all in Anne Grosfilley’s book „African Wax Print Textiles” (Prestel, 2018). It’s a love letter to this glorious and truly global textile.