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Eine Auszeit im umweltfreundlichen Luxus-Hotel La Coquillade in der Provence

Am Fuße des Luberongebirges, eingebettet zwischen Weinbergen und Pinienwald liegt das Hotel La Coquillade. Von der Anhöhe blickt man in die fruchtbare Ebene von Vaucluse, in der sich Zypressen und Weinberge abwechseln und am Horizont reckt sich der „heilige“ Berg, der Mont Ventoux, in den Himmel. Heilig, da von den heidnischen Kelten verehrt und bekannt vor allem durch Francesco Petrarcas Beschreibung seiner Besteigung.

Mitten im goldenen Oktober wandelte ich auf diesen Spuren und frönte mit meiner Mutter und Großmutter dort dem joie de vivre.

Laut einer Legende wurde der Weiler von Zisterziensermönchen der Abtei Sénanque im 11. Jahrhundert gegründet. 2006 kaufte der Schweizer Unternehmer und Radsportenthusiast Andreas Rihs das ehemalige Weingut und entschied sich dazu den auf einem Hügel gelegenen Weiler zu renovieren und in ein Luxushotel zu verwandeln. Gemanagt wird das Hotel heute von den gebürtigen Schweizern Carmen und Werner Wunderli, die bereits vor einigen Jahren im Luberon eine neue Heimat gefunden hatten. Die alten Gebäude des Weingutes, die teilweise noch aus dem Mittelalter stammen, wurden aufwendig restauriert und modernisiert, wobei großer Wert darauf gelegt wurde, möglichst viel der alten Bausubstanz zu erhalten und vor allem natürliche Materialien aus der Region – wie Sandstein oder Holz der lokalen Eichen – zu nutzen. 2008 eröffnete das Hotel mit 28 Zimmern, einem Bistrot und Gourmet-Restaurant. 2015 wurde das Hotel nochmal erweitert und ein Teil wurde dazu gebaut, der sich im Stil aber an dem alten Teil der Anlage orientiert und daher optisch kaum zu unterscheiden ist. 35 neue Zimmer, der 1.500 m2 großen Spa- und Wellnessbereich sowie eine 400 m2 Veranstaltungsfläche kamen hinzu.

Während den Restaurierungsarbeiten und den großflächigen Baumaßnahmen wurde nicht nur in der Gestaltung und der Renovierung der Anlage Wert auf die Authentizität des Standorts gelegt, sondern es wurde auch architektonisch und ökologisch achtsam mit der Umgebung umgegangen. Alle Bauwerke wurden nach ökologischen Gesichtspunkten mit energiesparenden Maßnahmen entwickelt. So sorgt ein Geothermie-System für Kühlung und Heizung der Anlage. Das Wasser wird größtenteils aus einer der 16 Quellen die unter der Anlage liegen – und das Land so fruchtbar machen – bezogen und in einer Wasserwiederaufbereitungsanlage zur erneuten Nutzung zur Verfügung gestellt. Eine weitere Vielzahl an alltäglichen Energiesparmaßnahmen haben zusätzlich dazu beigetragen, dass La Coquillade 2012 mit dem EU-Ecolabel ausgezeichnet wurde.

Dass bei der Renovierung der Fokus darauf gelegt wurde, die alte Struktur der Anlage zu erhalten sieht und spürt man und es macht den besonderen Reiz des Hotels aus. Der Charakter eines „Village“ wurde bewahrt und die Zimmer sind so geschickt und charmant verteilt, dass wir – trotz Vollbelegung – das Gefühl hatten „Queens of the castle“ zu sein. Zudem besitzt jedes Zimmer und jede Suite einen eigenen Balkon, eine eigene Terrasse oder einen eigenen Garten, wohin man sich zurückziehen kann zum Lesen oder Sonnenbaden. Dass der Ort mal ein Dorf war, ist auch daran zu sehen, dass es noch einen kleinen „Dorfplatz“ mit Springbrunnen gibt. Nach französischem Recht muss dieser Platz weiterhin der Öffentlichkeit zugänglich sein, und kann nicht in Privatbesitz übergehen.

Auf hochwertige Materialien wird auch in der Küche der drei Restaurants des Hotels großen Wert gelegt. Ein eigener Gemüsegarten, wo sich Kumin an Rosmarin und dicke Auberginen reiht und den ein Elektrozaun vor den gefräßigen Wildschweinen schützen muss, deckt einen Teil des Eigenbedarfs der Restaurants der Anlage. Der Rest wird von regionalen Zuliefern dazugekauft. So finden sich beim Frühstück-Buffet köstliche Käse aus der Region, sowie saisonale Weintrauben und Feigen.

Besonders gefallen mir und meinen Reisebegleiterinnen, die Leinenservietten, die der Gast zu jeder Mahlzeit bekommt. Das Thema Stofflichkeit zieht sich durch das Hotel und von der Leinenserviette bis zur Bettwäsche und den Handtüchern sind die Materialien wundervoll anzufassen und wenn nicht aus der Region, dann häufig aus der Schweiz. Die Schweizer Verbindung merkt man auch an den Minitoblerones, die in der Minibar warten zu einem hauseigenen Rotwein vernichtet zu werden.

Entspannung suchende Gäste können sich entweder im Spa durchkneten lassen oder in der umliegenden Natur treiben lassen. Das Highlight meiner Mutter war der Whirpool auf der SPA-Terasse mit Weinbergblick bei untergehender Herbstsonne. Als Landkind und Herbstliebhaber habe ich besonders den Weg durch die Pinienwälder und Weinberge mit ihren atemberaubenden Vistas genossen. Bei diesen Spaziergängen kann man wenn man ganz genau hinhört auch den Namenspatron des Hotels hören, la coquillade, eine altmodische Bezeichnung der provenzalischen Lerche. Ist man aktiver als wir und möchte die Umgebung nicht per pedes erkunden, so kann man sich auch Fahrräder oder E-Bikes ausleihen, eine Tennis- oder Yogastunde nehmen oder seine Bahnen in einem der zwei großzügigen Außenpools ziehen. Ganz ambitionierte Seelen können sich zu den zahlreichen „Bikern“ gesellen oder Ihre Wanderschuhe schnüren, um auf Petrarcas Spuren wandelnd, den Mont Ventoux hochzustrampeln oder zu kraxeln.Das lässt sich natürlich auch mit dem Auto erledigen.

Erschöpften Ausflüglern kühlt dann bei der Rückkehr ein kalter und hauseigener Rosé ihren Gaumen. Seit dem 13. Jahrhundert lässt sich die Bewirtschaftung der Rebstöcke für die Anlage nachweisen Heute werden jährlich etwa 100.000 Flaschen Weißwein, Rotwein und Rosé aus den Trauben der umliegenden Weinberge gekeltert und im La Coquillade abgefüllt. Das Weingut und der wirklich sehr gute Wein, heißen Aureto, was auf provenzalisch so viel wie „leichte Brise“ bedeutet.

Bei Fragen, sei es wo man in der Region zu Abend essen soll, welcher Wochenmarkt der schönste ist oder Anekdoten zum Hotel, empfehle ich den sehr charmanten und allwissenden Concierge Antoine.

What to see:

Die Zisternzienserabtei von Sénanque bei Gordes (wer etwas weiter fahren möchte und sich für sakrale Archtiektur interessiert sollte sich auch die zwei weiteren Zisterzienserklöster der Region Le Thoronet und Silvacane ansehen.

Gordes: ein am Felshang klebendes Städtchen, dessen Bausubstanz bis ins Mittelalter reicht.

Rousillon: bekannt für seine Ockeranbau für Farben, der dem Ort auch den Namen gab.

Wer etwas länger fahren will: Avignon, von 1335 und 1430 die Residenz verschiedener Päpste und Gegenpäpste
Fontaine-de-Vaucluse, die scheinbar bodenlose Karstquelle aus der der Fluß Sorgue entspringt

Where to eat:

Es gibt so viele sehr gute Restaurants in der Region, daher nur eine kleine Auswahl. Der reizende Antoine hilft bei diesem Thema gerne und versiert weiter.

La ferme de la Huppe, Gordes
Le Sanglier Paresseux, Caseneuve
David, Rousillon
Le Bistrot de Lagarde, Lagarde-d’Apt
Le Mas Tourteron, Gordes

Where to shop:

In der Region gibt es zahlreiche Märkte, die neben Lebensmitteln häufig auch noch einen Teil haben, in dem Antiquitäten verkauft werden. Gefährlich für die Geldbörse Besonders schön sind:

Coustellet (Bauernmarkt, Sonntags)
Isle-sur-la-Sorgue (Bauernmarkt mit einem Teil wo Antiquitäten verkauft werden, Sonntags) zweimal pro Jahr findet dort einer der schönsten Trödel- und Antiquitätenmärkte Europas statt.

Mehr Infos und Buchungsmöglichkeiten hier: Lacoquillade.fr

Eine Auszeit vom Alltags-Stress: LESSaFAIR Autorin Josefine von Thun geniesst die magisches Umgebung der Provence

      

 

 

Josefine von Thun ist 1988 in Kiel geboren und aufgewachsen in Schleswig-Holstein mit Meer und See fast vor der eigenen Haustür. Sie verbrachte eine unbeschwerte Kindheit auf dem Land – ein bisschen wie auf Bullerbü. Ihr Geschichts- und Kunstgeschichtsstudium absolvierte sie in Freiburg, Berlin und Istanbul. Heute arbeitet sie für einen Digitalisierungsinkubator einer staatlichen Einrichtung. Sie liebt gutes Essen, Wein, Wärme und Istanbul und ist eine Geisteswissenschaftlerin mit Leib und Seele.