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Im Bann der Maasai Mara

Immer lauter dröhnen die Motoren der Mini Propeller Maschine, während meine Schwester und ich langsam drei Tagen Safari in der Eco-Lodge Basecamp Explorer in der Maasai Mara entgegenrollen. Wir heben ab Richtung Horizont und schweben über die Weite der kenianischen Steppe hinweg, über bewaldete Oasen, sanfte Berge und Siedlungen mit Blechdächern. Schließlich landen wir, vorbei an langhalsigen Giraffen und einer Elefantenherde, auf einer kleinen Grass-Rollbahn im Nirgendwo.

Ein Maasai wie aus dem Bilderbuch, in rot-blau karierte Tücher gekleidet, mit Perlenschmuck behängt und einem Speer in der Hand, steht neben einem langen, offenen Jeep und erwartet uns. „I am Manfred – welcome to the Maasai Mara. I will be your guide throughout your stay. Our first safari will start now on our way to the camp.” Wir sind aufgeregt wie Kinder, als der Jeep sich in Bewegung setzt. Die vielen Silberplättchen an Manfreds Perlenkette klimpern im Rhythmus zur Fahrt und er beginnt zu erzählen…

„Diese unfassbare Nähe zu den Tieren wird uns das ganze Wochenende begleiten. Manfred erklärt, dass gerade der Erhalt dieser eindrücklichen Fauna eine treibende Kraft bei der Führung von Basecamp Explorer ausmacht.“

Die 1998 gegründete Lodge ist Teil eines umfassenden Konservierungs-Projektes des Norwegers Svein Wilhelmsen, das an zwei Orten operiert, die gegensätzlicher nicht sein könnten: Spitzbergen im hohen Norden von Norwegen und der Maasai Mara in Kenia, Ostafrika. Der Philanthrop hat es sich zum Ziel gesetzt, durch verantwortungsvoll geführten Eco-Tourismus die Aufmerksamkeit auf den Erhalt der Flora und Fauna dieser beiden besonderen Teile der Welt zu lenken und sie auf diese Weise zu konservieren. In Kenia kollaboriert Svein dabei eng mit der Maasai Familie Taek, um auch zur Zukunftssicherung der Maasai Gemeinschaft beizutragen. Die mittlerweile fünf Camps werden zu 98% von Einheimischen betrieben. Einige von ihnen haben keine Schulbildung genossen, sind aber von Basecamp so ausgebildet worden, dass sie als Wachen, Servicekräfte und Köche arbeiten können. Außerdem wird interessierten jungen Maasai Frauen und Männern der Besuch der Koyiaki Guiding School ermöglicht, damit sie die Gäste der Lodge später führen können. Ein weiteres großes, am Lager angehängtes Projekt ist die Basecamp Maasai Brand. In Kleingruppen aufgeteilt treffen sich hier über die Woche verteilt mehr als 150 Maasai Frauen und fertigen den weltweit berühmten Maasai Perlenschmuck. Die Gäste können ihnen bei der aufwendigen Handarbeit zuschauen und die besonderen Stück kaufen.

Manfred’s Erzählungen werden von einem Funkspruch unterbrochen. Einer seiner Kollegen spricht schnell auf Maa, der Sprache der Einheimischen. Manfred drückt aufs Gas, sagt uns aber nicht warum. Wir fahren vorbei an einer Gruppe von vier riesigen Straußen, kreuzen einen alten Büffel und jede Menge Zebras und Antilopen. Plötzlich scheinen wir am Ziel angekommen zu sein – wenn man bei diesem Weg überhaupt von einem Ziel sprechen kann. Eine Gepardenmutter mit ihren Jungen taucht vor uns auf. Das schnellste Tier der Welt liegt vollkommen unbeeindruckt von unserer Ankunft, alle Viere von sich gestreckt und nur drei Meter entfernt im hohen Gras, während seine Kleinen sich übermütig balgen.

Diese unfassbare Nähe zu den Tieren wird uns das ganze Wochenende begleiten. Manfred erklärt, dass gerade der Erhalt dieser eindrücklichen Fauna eine treibende Kraft bei der Führung von Basecamp Explorer ausmacht. Das Projekt initiierte unter anderem die Gründung der Mara Naboisho Conservancy, das heute 20.000 Hektar unberührte Wildnis für alle Tierarten der Maasai Mara bereitstellt.

Wir erreichen die Lodge und werden von einer herumtobenden Affenschar begrüßt. Das Lager ist umgeben von einem Wassergraben und vielen Bäumen, die sich in einen kleinen Wald ausdehnen. Er ist das Ergebnis eines Wiederbepflanzungsprojektes zum Erhalt der Biodiversität in der Region. Manfred erzählt, dass sogar der ehemalige, halbkenianische US-Präsident Barack Obama hier schon mit seiner Familie die Ferien verbracht hat. Auch er ist ein großer Befürworter des nachhaltigen Führungskonzeptes der Eco-Lodge und gemeinsam mit Michelle, Malia und Natasha hat er vier der zwischenzeitlich mehr als 70.000 neu gesetzten einheimischen Bäume gepflanzt.

Beim Abendessen sitzen wir vollkommen überwältigt von der Flut von Eindrücken neben dem Lagerfeuer und können die Augen kaum noch offenhalten. Wachen begleiten uns zurück zum offenen Bungalow, zu den Lauten der Nacht schlafen wir wenig später ein.

Die folgenden Tage ziehen wie ein Film an uns vorbei. In der Morgendämmerung sehen wir Antilopen grasen, laut quietschend galoppieren Zebras neben uns – sie lachen, weil sie die Nacht überlebt haben, erklärt Manfred. Gleichzeitig suchen herumstreifende Schakale und Hyänen nach den Überbleibseln der nicht so glimpflich davongekommenen Artgenossen. In der Abendsonne erscheinen Löwen, Nashörner, ein Leopard und mehrere Adler. Wir beobachten Elefanten am Wasserloch und sehen einer Giraffen Familie nach, wie sie sich langsam kauend in den Busch hineinfrisst.

„Es ist wie eine andere Welt hier draußen – in dieser Weite der Steppe relativieren sich meine Probleme. Leben und Tod erscheinen hier in einer innigen Symbiose.“

Am letzten Morgen gehen wir zum krönenden Abschluss auf eine Walking Safari und werden von zwei Maasai Guides zu Fuß durch die Steppe geführt – näher kann man der Natur nicht mehr kommen. Wir lernen Spuren zu lesen, Kot zuzuordnen und stehen am Ende der Tour vor einem stinkenden Wasserloch mit mehr als 30 Nilpferden, die im Wasser dösen und abwechselnd laut schnaubend auftauchen, um Luft zu holen.

Es ist wie eine andere Welt hier draußen – in dieser Weite der Steppe relativieren sich meine Probleme. Leben und Tod erscheinen hier in einer innigen Symbiose. Ich fühle mich klein und auf eine gute Weise komplett unbedeutend. Ein Gefühl der Freiheit, wie ich es so noch nie gespürt habe. Ich bin dankbar, dass es Menschen wie Svein gibt, die ähnlich fühlen müssen, um einen Ort wie Basecamp ins Leben gerufen zu haben, damit auch Generationen nach uns noch in den Bann der Maasai Mara gezogen werden können.