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Preeti Malkani spricht mit Michaela Gerganoff über Frauen helfen Frauen

Meine Bekannte Preeti Malkani erzählte mir neulich von einer Hilfsorganisation, die eigentlich gar nicht neu war, sondern in 25 Jahren bereits fast eine halbe Million Frauen unterstützt hat. Jetzt hat Preeti in Hamburg eine deutsche Sektion von „Women for Women International“ eröffnet. Die einfache Idee: Frauen fördern Frauen in Kriegs- und Krisenregionen und unterstützen sie mit einem Monatsbeitrag ein Jahr lang als Patin. 

Wie hast Du von WfWI erfahren?

Vor 4 Jahren durch einen Artikel in einer britischen Zeitschrift. Es ging dabei um die Lebensgeschichten von 2 Frauen, Miriana aus Nigeria und Hava aus Afghanistan. Zwei Frauen an unterschiedlichen Enden der Welt, die aber ein gemeinsames Schicksal teilten – Frau zu sein in einem Kriegsgebiet. Und die es geschafft haben, Dank der Unterstützung von WfWI ein neues Leben aufzubauen. 

Was hat Dich daran so beeindruckt?

Diesen beiden Frauen sind traumatische Erlebnisse wiederfahren – sie wurden von Soldaten mehrfach vergewaltigt, haben Familie verloren und mussten jeden Tag um ihr Wohlergehen fürchten. Dennoch blieb die Hoffnung, dass sie ihr Leben und das ihrer Kinder trotz der Umstände verändern können. Und dann las ich von Organisation WfWI, die in diese Hoffnung investierte und den Frauen die Hand gereicht hat, um ihnen zu sagen. „Wir glauben an dich und an deine Fähigkeit, dein Leben mit der richtigen Unterstützung zu verändern!“ Eine Unterstützung, die weltweit über 490.000 Frauen geholfen hat, ihr Leben in die Hand zu nehmen, ihre Gesundheit zu verbessern und ein Einkommen zu erwirtschaften. Dabei hat mich insbesondere der simple und zugleich intelligente Ansatz dieser Hilfe zur Selbsthilfe fasziniert. Ich habe direkt zum Hörer gegriffen, im London Office angerufen und mich dafür eingesetzt, WfWI in Deutschland aufzubauen.

Du warst mit WfWI in Bosnien und Ruanda. Was hast Du dort erlebt?

Vor den Reisen habe ich mich intensiv mit der Geschichte der Länder auseinandergesetzt. Ich war sehr gespannt – und auch unsicher – wie das Aufeinandertreffen mit den Frauen, die so viel Leid erfahren hatten, auf mich wirken würde. Während des Genozides in Ruanda wurden wurden in weniger als 100 Tagen etwa 800.000 Menschen hingerichtet und 500.000 Frauen vergewaltigt. Rund 70 Prozent der Bevölkerung Ruandas waren nach dem Völkermord weiblich, die vor dem Nichts standen. Und auch in Bosnien standen die Frauen nach dem Auflösen der sog. Rape Camps vor dem Nichts. Und Bosnien ist nicht so weit von uns entfernt. Die Frage, wie man nach solchen Erlebnissen jemals wieder Hoffnung gewinnen kann, beschäftigt mich sehr. Und gerade deswegen war ich überwältigt von der Zuversicht und positiven Kraft der Frauen, die ich kennenlernen durfte! 

Warum glaubst Du, dass diese Organisation wichtig sein könnte für Deutschland?

Deutschland ist eines der wichtigsten Länder Europas, an dem man meines Erachtens bei so einem wichtigen Thema nicht vorbeikommt. Zudem wurden wir gerade in den letzten Jahren sehr direkt mit dem Thema Krieg und seinen Auswirkungen konfrontiert und es findet eine verstärkte Auseinandersetzung in der Gesellschaft mit diesem Thema statt. Es besteht ein großer Wunsch nach Lösungsansätzen. Einen liefert WfWI: Will man ein Land wieder stabilisieren, so ist es wichtig in Frauen zu investieren. Denn Frauen sorgen am Ende dafür, dass Familien und Gesellschaften funktionieren. Insofern ist jede Spende und Unterstützung eine gute Investition in mehr Frieden, Stabilität und Menschlichkeit in unserer Welt. 

Wie und wo setzt sich WFWI ein?

Bei dem „Sponsor a sister-Programm“ bekommen die Teilnehmerinnen psychologische und praktische Unterstützung. Sie lernen über ihre gesetzlichen Rechte, erhalten eine Ausbildung in Gesundheitsfragen, Rechnen, Buchführung und Sparen. Außerdem werden ihnen werden Berufskenntnisse vermittelt. WfWI ist derzeit in 8 Ländern tätig: Afghanistan, Bosnien und Herzegowina, Demokratische Republik Kongo, Irak, Kosovo, Autonome Region Kurdistan, Nigeria und Ruanda. 

Kann man zu seiner „Sister“ auch Kontakt aufnehmen?

Das ist nicht nur möglich, sondern auch ausdrücklich gewünscht! Der direkte Kontakt ist sehr wertvoll. Zu wissen, da draußen in der Welt ist jemand, der wirklich an sie glaubt, bedeutet den Frauen sehr viel. Bei meinen Besuchen in Ruanda und Bosnien hatte jede Frau, die ich kennenlernte, auch nach vielen Jahren noch die Briefe ihrer Sister – das war sehr berührend. 

Welche Ziele habt Ihr kurzfristig?

Mission 100 – wir wollen es schaffen, dass bis Ende des Jahres einhundert Frauen am Patenschaftsprogramm teilnehmen können.

Und mittelfristig?

Mission 1000! Und wir möchten WfWI in Deutschland zu einer starken Marke aufbauen, mit Hilfe von starken Kooperationspartnern und Unterstützung guter Presse – wir möchten keine Gelder für Mailings und klassische Werbung ausgeben. Es ist unser Anliegen, dass gespendetes Geld wirklich bei den Frauen ankommt und wir die organisatorischen Kosten möglichst geringhalten – so wie es auch in UK erfolgreich praktiziert wird. 

WfWI hat zum Start in Deutschland schon eine prominente Unterstützung: Nadja Swarovski. Was verbindet sie mit WfWI?

Die Stärkung und Förderung von Frauen unterstützt die Swarovski Foundation bereits seit 2013. Darum ist es toll mit Nadja Swarovski – als meinungsstarke sichtbare Persönlichkeit – eine so engagierte Frau für unsere Sache gewonnen zu haben.