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The Dead Ladies Show rückt das Schaffen einzigartiger Frauen ins Rampenlicht

Wissen Sie, wer Anna Fischer-Dückelmann ist? Die österreich-ungarische Ärztin zählte Ende des 18. Jahrhunderts zu einer der ersten Frauen mit einem medizinischem Abschluss im deutschsprachigem Raum. Sie kennen alle die zweifache Nobelpreisträgerin und Physikerin Marie Curie. Aber wussten Sie, dass Sie ihr Lebtag mit den Vorurteilen ihrer männlichen Kollegen zu kämpfen hatte? Katy Derbyshire, Florian Duisjens und Susan Stone rücken mit ihrem Podcast The Dead Ladies Show einzigartige Frauen in den Fokus, die maßgeblich an der Entwicklung und Gestaltung unserer Gesellschaft mitgewirkt haben – und das gegen alle Wiederstände. Wir haben mit Susan Stone, der Produzentin des Podcast gesprochen. 

Die Idee für die The Dead Ladies Show entstand bei einem Rotkäppchen Sekt…?

Ja meine Freunde Katy Derbyshire und Florian Duisjens sprachen bei einer Flasche Rotkäppchen Sekt über all die tollen toten Frauen der Geschichte. Katy erzählte ihm von Irmgard Keun, einer deutschen Schriftstellerin der Weimarer Republik und Florian brachte ihr im Gegenzug die amerikanische Schriftstellerin Dorothy Parker näher. Daraus entwickelten die beiden dann eine Liveshow, in der jeweils drei unterschiedliche Frauen vorgestellt, werden, die herausragendes geleistet haben. Ich habe das erst Mal nur aufgenommen, ohne zu wissen, was daraus wird, bis uns der Berliner Senat finanziell unterstützte, daraus einen Podcast zu machen.

Warum ist das Konzept des Podcast so wichtig für die moderne Gesellschaft? 

Wir stellen in dem Podcast eine Frau aus der Liveshow vor, die alle zwei Monate stattfindet. In Kombination mit besonderem Interview-Material und Zeitdokumenten und Texten bringen wir dann eine herausragende Frau aus der Geschichte zum Leben. Einige der Frauen sind sehr berühmt und andere bereits in Vergessenheit geraten. Was sie alle gemein haben: Sie haben Großartiges für unsere Gesellschaft geleistet. Frauengeschichte ist ein wichtiger Teil unserer Geschichte. Diese herausragenden Frauen müssen erinnert und geehrt werden, damit sie auch noch nachkommende Generationen inspirieren können. 

Nach welchen Kriterien suchen Sie die Frauen aus? 

Die meisten Frauen werden von den jeweiligen Präsentatoren ausgewählt, die von Show zu Show wechseln. Am Schönsten ist es, wenn jemand nach der Show auf uns zukommt und uns eine neue Protagonistin vorschlägt, die ihn besonders in den Bann gezogen hat. Die einzige Einschränkung, die wir machen, die Frau muss tot sein, schließlich ist das Titel der Show. Wir wollen keine Faschistinnen. Leni Riefenstahl ist verboten! Wenn ich den Podcast editiere achte ich darauf, einen Mix von unterschiedlichen Frauen aus unterschiedlichen Kulturen, Epochen und Gesellschaftsschichten zusammen zu stellen. Das möchte ich für die Zukunft weiterhin optimieren. 

Welche Frau hat Sie persönlich am meisten überrascht? 

Ich mag die Geschichte von Anna Fischer-Dückelmann sehr. Die Österreicherin zählte Ende des 18. Jahrhunderts zu einer der ersten weiblichen Ärztinnen. Sie lebte in Frankfurt und hatte drei kleine Kinder, als sie mit 30 Jahren beschloss, sich ihren Lebenstraum zu erfüllen. Da es Frauen damals in Deutschland und Österreich noch nicht erlaubt war, zu studieren, wanderte sie mit ihren Kindern in die Schweiz aus. Dort schrieb Sie sich an der Universität von Zürich für ein Medizinstudium ein. Damit löste die damals einen echten Skandal aus. 1901 veröffentlichte sie dann ihr erstes Buch „Die Frau als Hausärztin“ und verkaufte über eine Million Exemplare. Dieses Buch hat maßgeblich dazu beigetragen, Frauen über den eigenen Körper aufzuklären.

Sie erzählen die Biographien anders, als das in herkömmlichen Geschichtsbüchern üblich ist… 

Es liegt natürlich immer im Ermessen des jeweiligen Präsentatoren, aber wir wollen natürlich wissen, was die Person so besonders machte. Niederlagen ebenso wie Erfolge, Liebesaffären oder einfach nur eine Vorliebe für ausgefallen Hüte bringen uns einem geschichtlichen Charakter näher. Es kann auch sein, dass eine Frau unsympathisch war, eitel, gemein oder sogar peinlich. Das sind alles Eigenschaften, die einen Menschen authentisch machen. Wir wollen uns zwar von diesen Frauen inspirieren lassen, aber uns auch auf einer menschlichen Ebene mit ihnen identifizieren.

Welche Frau hat Sie persönlich am meisten berührt?

Das war glaube ich die Afro-Deutsche Dichterin und Aktivistin May Ayim. Wahrscheinlich weil sie erst vor kurzem, 1996, gestorben ist. Sie wird in Berlin besonders gefeiert, so ist etwa eine Strasse in Kreuzberg nach ihr benannt und als wir sie in der Show vorgestellt haben, waren sogar Freunde von ihr unter den Zuschauern. May hat sich umgebracht, was sehr tragisch war. Und auch, wenn es in der Show um tote Persönlichkeiten geht, geht einem ein Tod natürlich besonders nahe. Sie hat sich mit Identitätspolitik  in Deutschland auseinander gesetzt und gerade deshalb wollte ich die Perspektive einer Afro-Deutschen unserer Zeit mit reinbringen und habe für den Podcast außerdem die Dichterin Mara Sanaga interviewt. 

Podcast werden immer beliebter. Worin liegt ihr großer Erfolg? 

Dazu würde ich gerne Deborah Frances-White, die Macherin von The Guilty Feminist zitieren: ‘Podcasts sind wie Radiosendungen, nur dass niemand einen stoppen kann, sie zu machen.’  Jeder kann hier seine Geschichte oder die eines anderen erzählen, von der er meint, dass sie erzählt werden muss.   

Der Podcast zum Downloden ist hier erhältlich: deadladiesshow.com

Im Dezember wird es anläßlich des Geburtstags von Mary Shelley’s Frankenstein vier Podcasts über die FrankenFrauen geben, die mit dem Leben der progressiven Schriftstellerin verwoben sind. Der erste Teil dieser Mini-Serie wird am 27. November im ACUD präsentiert.