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Warum Zero-Waste nicht immer umsetzbar (und das auch in Ordnung) ist

Ich beschäftige mich seit ungefähr vier Jahren mit dem Thema Zero Waste. Ich hatte bessere und schlechtere Zeiten. Zeiten, in denen ich auf Dinge verzichtet habe, weil ich sie nicht unverpackt finden konnte und Zeiten, in denen ich wieder mit vollen Händen in Plastik Verpacktes in meinen Einkaufswagen gelegt habe. Inzwischen bin ich aber im Reinen mit der Müllmenge, die ich einspare. 

Vor vier Jahren hatte ich massig Zeit, ich war Studentin, kinder- und sorgenlos. Ich konnte in drei verschiedene Supermärkte und noch in den Unverpacktladen gehen, um all meine Konsumbedürfnisse möglichst unverpackt zu besorgen. 

Jetzt habe ich zwei Kinder, einen Teilzeitjob und schreibe nebenbei noch für diverse Magazine und Onlineseiten. Außerdem wohne ich im fünften Stock ohne Aufzug. Da wird es schon mal zum Drahtseilakt, zwei Kinder und diverse Behälter für Mehl und Nudeln sicher ins Dachgeschoss zu befördern. Wenn ich jetzt in den Supermarkt fahre, dann mache ich alles in einem Abwasch und wenn ich Tomaten brauche, die es oft eben nur verpackt gibt, dann kaufe ich sie, ohne mir ein schlechtes Gewissen einzureden. Supermarkthopping ist gerade einfach nicht praktikabel für mich. Das hat mich am Anfang sehr geschmerzt, aber ich habe gemerkt, dass ich mir selbst damit schade, wenn ich mir zu viel Stress aufbürde, nur um am Ende eine möglichst leere Mülltonne zu haben. Jetzt fahre ich einmal im Monat in den Unverpacktladen und kaufe so viele Lebensmittel wie möglich lose ein. Wenn aber doch mal die Lieblingskekse meiner Tochter oder ein gutes Stück Käse für mich an der Kasse landen, dann ist das vollkommen in Ordnung. Ich kompensiere das dann mit anderen plastikfreien Alternativen, die ich sehr konsequent einhalte. Zum Beispiel nutze ich seit Jahren Seifen und festes Shampoo, ich mache meine Putzmittel zum Großteil selber und habe Teelichthalter aus Edelstahl gekauft, damit ich nicht dauernd die kleinen, runden Behälter aus Aluminium wegwerfen muss. Niemand ist perfekt und neben dem ganzen Umweltbewusstsein soll das Leben ja auch noch Spaß machen. Wenn aber gutes Tun zur Last und zu Stress wird, dann sollte man lieber die Notbremse ziehen und nochmal evaluieren, wo man vielleicht an anderen Stellen entspannter Müll einsparen kann. Zum Beispiel kann man Kleidung Second Hand kaufen oder ausleihen. Meine Kinder sind beinahe ausnahmslos in Kleider aus zweiter Hand gehüllt. Auch ich kaufe, wenn ich nicht gerade akut ein Fünferpack Socken oder stillfreundliche Oberteile brauche, meine Kleidung gerne auf Flohmärkten, im Second Hand Laden oder ganz entspannt online. Ich glaube, damit trage ich schon ganz schön viel zum Umweltschutz und zur Ressourcenschonung bei. Dass dann mal eine Tüte Studentenfutter in meinem Einkaufskorb landet, nimmt mir das Universum bestimmt nicht böse.