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Wo ist Papa? Mirna Funk hat ein Kinderbuch über 12 verschiedene Familien-Modelle geschrieben

Mirna Funk ist eine Journalistin und Autorin mit vielen Facetten. Jetzt hat sie ihr erstes Kinderbuch geschrieben und auch gleich selbst herausgebracht. Damit möchte sie unterschiedlichste Familien jenseits des heteronormativen Modells vorstellen und nicht nur Kindern, sondern auch Eltern ein neues Gefühl von Akzeptanz vermitteln. Das macht sie mit viel Spaß und Stil. Die Geschichte folgt einer kleinen Löwin auf ihrer Reise durch das vielfältige Tierreich, das durch die farbprächtigen Illustrationen von Maayan Sophia Weisstub zum Leben erweckt wird. Wir sprachen mit der Autorin über ihr außergewöhnliches Kinderbuch.

Wie ist die Idee zu Wo ist Papa? entstanden?

Ich habe angefangen meiner Tochter Etta vor dem Schlafengehen eine Geschichte von einer kleinen Löwin zu erzählen, die sich auf den Weg durch Afrika macht, um nach ihrem Vater zu suchen, aber lauter verschiedene Tiere trifft. Jeden Abend habe ich ein neues Tier mit einer neuen Familien-Konstellation dazu gedichtet. Irgendwann hatte ich dann 12.

Wie wurde dann das Buch daraus?

Eine Freundin aus Tel Aviv und ich haben uns im Mai diesen Jahres über unsere Auffassung von Familie unterhalten. Sie ist Ende 30, hat keinen Partner aber trotzdem einen sehr starken Kinderwunsch und denkt über Co-Parenting mit ihrem homosexuellen Freund nach. Ich befinde mich als alleinerziehende Mutter in einer neuen Familien-Situation und musste mich langsam von der Vorstellung der „perfekten“ Familie – Vater, Mutter, Kind –, lösen. Und meine Freundin aus Tel Aviv  meinte dann, dass ich aus der Gutenacht-Geschichte für Etta ein Buch machen muss, um Kindern die Vielfalt von modernen Familien mit anderen Konzepten mit auf den Weg zu geben.

Maayan Sophia Weisstub und Mirna Funk

Auch die Entstehungsgeschichte von Wo ist Papa? ist außergewöhnlich?

Nach dem Gespräch mit meiner Freundin habe ich mich mit Maayan zusammengesetzt. Von ihr stammen die Illustrationen. Statt uns an einen Verlag zu wenden, haben wir das Projekt über Kickstarter finanziert und jetzt eine eigene Website hochgezogen, über die wir das Buch verkaufen. Als Schriftstellerin weiß ich wie das mit Verlagen läuft. Das ist ein langwieriger Prozess und es hätte mit großer Sicherheit noch bis 2020 gedauert, bis das Buch erschienen wäre. Ich wollte die Geschichte aber jetzt erzählen.

Warum konnte die Geschichte für dich nicht mehr länger warten?

Es geht um Vielfalt in dem Buch – ethnische, sexuelle und individuelle. Wir erleben gerade eine sehr stark reaktionäre Bewegung. Trotzdem gibt es auch eine starke Gegenbewegung, die sich artikuliert, die auf Social Media aktiv wird. Es ist sehr wichtig laut zu sein in Zeiten wie diesen, sich gegen das Rückgewandte mit Progressivität und Offenheit zu stellen – und das tue ich mit meinem Buch.

 

Hast du selbst mal ein Erlebnis gehabt, wo du dich nicht akzeptiert gefühlt hast mit deinem Konzept von Familie?

Ja klar! Das fängt schon mit den Liedern an, die Etta in der Kita lernt. Da geht es immer um die klassische Dreier-Konstellation aus Vater, Mutter, Kind. Und das nervt dann schon, wenn es heutzutage schon so viele andere Familien-Modelle gibt. Mir ist es einfach wichtig, dass meine Tochter dafür eine Offenheit entwickelt.

Dein Buch soll aber keine Absage an die klassische Familie sein…

Nein. Ich möchte ein Bewusstsein für die unterschiedlichsten Familien-Modelle schaffen. Es ging mir auch nicht darum ein Buch nur für Single Mums oder nur für das homosexuelle Pärchen zu schreiben. Diese Bücher gibt es schon. Ich möchte Kindern, egal in welcher Familien-Konstellation sie leben, einen Zugang zu den unterschiedlichsten Modellen ermöglichen. Damit sie eine Toleranz für all das entwickeln, was außerhalb ihres eigenen Kosmos existiert. Ich wollte aber kein sozialkritisches Erklär-Buch schreiben, sondern ein Kinderbuch, das unterhält mit vielen, schönen, bunten Bildern. Und Kinder lieben eben Tiere. Unsere Tiere rappen, lassen sich massieren und trinken Champagner….

Das Kinderbuch “Wo ist Papa?” ist erhältlich unter: whereisdaddy.net

In Köln geboren ist Christine Korte eine echt rheinische Frohnatur. Nach ihrem Germanistik-Studium in Marburg, sammelte sie in Mailand und Paris in den Korrespondenz-Büros der deutschen Vogue und der Women’s Wear Daily erste Erfahrungen in der Mode. Nach Stationen bei Glamour, Grazia und flair, lebt sie heute als freie Journalistin in Berlin. Mit der Gründung von LESSaFAIR hat sie jetzt gemeinsam mit Nicole Schneider ihr Herzens-Projekt realisiert. Neben Mode, Theater und Film sind lange Spaziergänge mit Cavalier King Charles Spaniel Udo ihre große Leidenschaft.